Der Kinder-Umwelt-Survey und die Zukunft des Humanbiomonitorings

06. November 2008


Veranstaltung des Umweltbundesamtes 06. - 07.11.2008


Während einer zweitätigen Veranstaltung präsentiert das Umweltbundesamt die nun vollständig ausgewerteten Ergebnisse des dreijährigen Kinder-Umwelt-Surveys 2003/2006. Weitere Themen sind die Entwicklung der Umweltprobenbank sowie des Humanbiomonitoring.
 
Hinweise zur UBA-Präsentation
„Phthalate – ein Stoffgruppe, die Probleme macht“

 
Für die Verarbeitung von PVC zu Halbzeugen oder Fertigartikeln muss es mit einer Reihe von Additiven vermischt werden. Dies geschieht übrigens auch bei praktisch allen anderen Werkstoffen wie Glas, Kunststoff, Stahl, Beton etc. Die Auswahl der Additive orientiert sich am Verarbeitungsverfahren und den Anforderungen an die Endprodukte. So erleichtern Additive die Verarbeitung von PVC und bestimmen gleichzeitig die Eigenschaften der PVC-Fertigprodukte. Aus PVC-Rohstoff entsteht je nach Auswahl der Zusatzstoffe ein dickwandiges robustes Rohr für die Trinkwasserversorgung oder eine hauchdünne flexible Folie zum Verpacken von Frischfleisch. Additive ermöglichen damit ein vielfältiges Spektrum von Produkteigenschaften. Etwa 65% des produzierten PVC fließen in die Herstellung von Produkten aus Hart-PVC, 35% in die aus Weich-PVC. Weichmacher verleihen PVC spezielle Gebrauchseigenschaften, die denen von Gummi vergleichbar sind. Der von Natur aus harte Werkstoff wird durch ihren Zusatz flexibel und dehnbar. Gleichzeitig bleibt er formstabil. Weich-PVC (PVC-P) eignet sich für eine große Zahl von Verarbeitungsverfahren und Anwendungen. Zudem erweitern Pasten, die aus einer Mischung von PVC und Weichmachern entstehen, das Spektrum. Aus Weich-PVC entstehen wegen seiner hervorragenden Materialeigenschaften flexible Produkte wie Kunstleder, pflegeleichte Bodenbeläge oder schwerentflammbare Kabel. Dank seiner guten Verträglichkeit im medizinischen Bereich empfiehlt man PVC-Produkte auch für hochempfindliche Allergiker. Darüber hinaus rettet Weich-PVC in Form von Blutbeuteln oder Wundverbänden zahlreichen Menschen das Leben.
 
Die am häufigsten eingesetzten Weichmacher sind Ester der Phthalsäure. Sie haben unterschiedliche technische Eigenschaften und daher auch unterschiedliche Wirkungen auf Mensch und Umwelt, werden aber häufig pauschal als „Phthalate“ undifferenziert diskutiert. In der öffentlichen Diskussion bringt man Phthalate immer wieder mit toxikologischen und ökotoxikologischen Effekten in Verbindung. Für die wichtigsten Phthalate liegen wissenschaftliche Risikoanalysen vor. Diese Erkenntnisse machen deutlich, dass keiner der untersuchten Phthalat-Weichmacher für die bestimmungsgemäßen Anwendungen und aufgrund der Hintergrundbelastung in der Umwelt eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellt. Jenseits der Risikobetrachtungen werden die Phthalate DBP, BBP und DEHP als reproduktionstoxisch (Kategorie 2) eingestuft. Diese Einstufung beruht auf toxikologischen Untersuchungen mit Ratten und Mäusen. Ihnen liegen klar definierte Grenzdosierungen zugrunde, unterhalb derer für Mensch, Umwelt und Tier kein Risiko besteht.
 
Diese drei Stoffe sind jetzt in die REACH-Kandidatenliste für „besonders besorgniserregende Stoffe aufgenommen worden. Aus dieser Kandidatenliste werden nach einem festgelegten Verfahren Stoffe ausgewählt, die in das Verzeichnis der zulassungspflichtigen Stoffe“, Anhang 14 der REACH-VO, aufgenommen werden. Dabei wird eine Übergangsfrist festgelegt, bis zu dem Hersteller ihre produzierten Stoffe vermarkten dürfen. Falls keine Zulassung für bestimmte Anwendungen beantragt wird, darf dieser Stoff nach Ablauf der Fristen in Europa nicht mehr produziert bzw. eingeführt und vermarktet werden.
REACH wird nach dem festgelegten Fahrplan auf faktenbasierter und wissenschaftlicher Basis die Verwendung oder Nicht-Verwendung einzelner Stoffe regeln. Dieser Prozess wird durch die REACH-VO genau beschrieben, es ist nun Aufgabe der Behörden, diesen Prozess konsequent umzusetzen. Die wissenschaftliche Betrachtung der Datenlage muss hierbei ausschlaggebend für die Chemikaliensicherheit bleiben.
 
Neben den drei gelisteten Phthalaten gibt eine Vielzahl anderer Weichmacher. Eine differenzierte Betrachtung ist sehr wichtig, da die Risikoanalysen und auch die aktuellen Urinwerte, welche heute vom Umweltbundesamt vorgestellt wurden, sehr unterschiedliche Ergebnisse aufweisen. Zum Beispiel zeigt für DINP nicht nur die Risikoanalyse, dass dieser Stoff sicher und ohne Risiko eingesetzt werden kann, auch die aktuellen Ergebnisse zeigen für DINP keine signifikante Belastung.
 
Weitere Informationen in  Initiates file download „Kunststoff & Phthalate“ (12/ 2006)