Glossar - F - J
F
Fogging (Innenraumluftbelastung)
Im Zusammenhang mit gesundheitlichen Beschwerden von Bewohnern vor allem neuerer Häuser wurde in den letzten Jahren dem Komplex »Sick-Building-Syndrom« (SBS) verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei beschäftigt man sich mit den Fragen möglicher Emissionen aus Baumaterialien und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.
Auch im Innenraum von Kraftfahrzeugen sind viele Untersuchungen auf flüchtige Bestandteile hin durchgeführt worden » 38. Hier spricht man vom sogenannten »Fogging«, für dessen Bestimmung genormte Prüfmethoden (DIN 75 201) entwickelt wurden.
Als Hauptursache des SBS gelten vor allem unzureichende Belüftung (50 %) und Luftschadstoffe (30 %, Pilzsporen, Rauchen, Kochen, Hobby, Radon etc.). Von untergeordneter Bedeutung sind Baumaterialien (4 %), wobei es sich dabei größtenteils um heute nicht mehr verwendete Stoffe handelt (Asbest, Formaldehyd, PCB, PCP etc.). Auch PVC-Produkte wurden als mögliche Emissionsquelle untersucht.
Der heutige Wissensstand zur Rolle dieses Werkstoffes in Bezug auf die Innenraumluft lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Schadstoffe werden von PVC-Tapeten nach Erkenntnissen des Fraunhofer- Institutes für Holzforschung (Braunschweig) nicht an die Raumluft abgegeben. Beispielsweise weist diese Tapetenart von allen Wandbekleidungsmaterialien die geringste Formaldehydabgabe auf. Vinylchlorid (VC) konnte in keinem einzigen Fall nachgewiesen werden, dies ist angesichts des niedrigen Rest-VC-Gehaltes schon im Rohstoff und des schnellen Abbaus von VC an der Luft auch nicht zu erwarten. Rechnerische Abschätzungen ergeben theoretische Konzentrationen, die ein toxikologisches Risiko praktisch ausschließen.
Weichmacher konnten bis vor kurzem unter Praxisbedingungen nicht nachgewiesen werden. Das Bundesgesundheitsamt ermittelte rechnerisch mögliche Konzentrationen von Weichmachern in der Größenordnung von einem Zehntausendstel des sogenannten MAKWertes (Maximale Arbeitsplatzkonzentration), das sind etwa 1 µg/m3. Die deutliche Herabsetzung der Nachweisgrenze in der jüngsten Zeit ergibt Messwerte in einem Bereich von etwa 0,1 µg/m3. Bei diesen niedrigen Konzentrationen spielt die Aufnahme über die Atemluft aber keine Rolle mehr.
Sonstige flüchtige organische Produkte (TVOC, »Total Volatile Organic Compounds«) finden sich – wie bei allen organischen Baustoffen – in Konzentrationen oberhalb der Nachweisgrenze. Sie stammen beispielsweise aus Verdünnern oder Lösungsmitteln, die als Verarbeitungshilfsmittel auch bei einigen PVC-Produkten zum Einsatz kommen. Die Industrie arbeitet an der Verminderung und Optimierung dieser Substanzen, beispielsweise wird das früher häufig verwendete Isobutyrat heute nicht mehr angewendet.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass sich die unterschiedlichen organischen Baustoffe (Holz, Kunststoffe, Linoleum, Textilien, Farben, Dicht- und Isoliermassen) hinsichtlich ihrer Emissionen nicht wesentlich unterscheiden. Art und Menge der Emissionen schwanken und bedürfen jeweils einer individuellen Bewertung. Insbesondere finden sich keine Unterschiede zwischen natürlichen und synthetischen Baustoffen, unter ungünstigen Bedingungen können gerade natürliche Materialien zu gesundheitlichen Problemen führen.
In den letzten Jahren wurde die Schadstoffbelastung von Stäuben in Innenräumen neu diskutiert. Auch dieser Bereich sollte möglichst umfassend betrachtet werden: Welche Rolle spielt diese Belastung überhaupt, wenn man von den heute doch stark gesenkten Staubkonzentrationen von ca. 20 µg Staub/m3 in der Innenraumluft ausgeht ? Wie stark sind die auf Hausstäuben adsorbierten Schadstoffe bioverfügbar, sind alle Hausstaubfraktionen auch in der Atemluft vorhanden, etc.? Hausstäube sind mit vielerlei Schadstoffen belastet: PAK, PCB, Schwermetalle, Organophosphate, Weichmacher etc. Die Konzentrationen einzelner Schadstoffe reichen über viele Größenordnungen. Aus Sicht der Weichmacher und organischen Zinnstabilisatoren wurden die Verhältnisse im November 2001 zusammengestellt » 48. Für beide Substanzklassen werden die Tolerable Daily Intake (TDI)-Werte (bei weitem) nicht erreicht.
H
Hart-PVC
PVC fällt in der Produktion als weißes, geruchloses Pulver an. Dieser Rohstoff ist in dieser Form nicht verarbeitbar. Deshalb muss der Kunststoff vor seiner Verarbeitung zu Halbzeugen oder Fertigartikeln mit einer Reihe von Additiven innig vermischt werden, wie übrigens bei praktisch allen anderen Werkstoffen (Glas, Stahl, Beton etc.) auch.
Zum Einsatz kommen:
- Stabilisatoren,
- Co-Stabilisatoren,
- Gleitmittel,
- polymere Hilfsstoffe zur Verbesserung der Zähigkeit, der Wärmeformbeständigkeit und des Verarbeitungsverhaltens,
- Füllstoffe,
- Pigmente,
- gegebenenfalls Weichmacher.
Je nachdem, ob man Weichmacher zusetzt oder nicht, erhält man Artikel aus Weich- oder Hart-PVC. PVC wird zu 60 % als Hart-PVC und zu 35 % als Weich-PVC hergestellt und angeboten.
Bei Hart-PVC sorgen vor allem die Stabilisatoren für Langlebigkeit, Verarbeitbarkeit und Alterungsbeständigkeit.
Zu den Produkten aus Hart-PVC zählen in erster Linie Rohre, Fenster, (Bau)-Profile und -Platten, Hart-Folien, Flaschen und andere Verpackungen.
I
Innenraumluftbelastung



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