Medizinalanwendungen

PVC ist heute der mit Abstand gebräuchlichste Kunststoff in der Intensivmedizin. Rund 10.000 Tonnen PVC werden in Deutschland jährlich in Form von Beuteln und Schlauchsystemen für die verschiedensten Zwecke verbraucht, das sind etwa 30% des gesamten Kunststoffverbrauches in diesem Bereich. Meist handelt es sich um Weich-PVC mit einem Anteil von 5 bis 25% Weichmacher. Auch Handschuhe, Wundpflaster, Schlauchklemmen und andere Zubehörteile werden aus PVC hergestellt.

 

Zu den Hauptanforderungen im medizinischen Bereich zählt die Sterilisierbarkeit. Gleich ob durch Dampf-, Ethylenoxid- oder Strahlensterilisierung – PVC lässt sich mit allen Methoden problemlos keimfrei einstellen.

 

Im Bereich der Blutbeutel ist zum einen eine hohe Kälteelastizität wichtig, da Blutkonserven über längere Zeit eingefroren werden. Zum anderen müssen sie nach dem Auftauen weich und flexibel sein, damit die Beutel beim Entleeren in sich zusammenfallen können. Andernfalls müsste zum Druckausgleich eine Belüftung mit steriler Luft erfolgen, was die Handhabung wesentlich erschweren würde. PVC zeigt im medizinischen Bereich weitere günstige Eigenschaften. Seine Transparenz erleichtert die Überprüfung der Füllhöhe und die Beurteilung des Beutelinhaltes. Das gute Rückstellvermögen und das gute Abriebverhalten ermöglichen den Einsatz sogenannter Rollenpumpen. Ein Vorteil von PVC ist die Möglichkeit des sogenannten Hochfrequenzschweißens. Dieses Verfahren liefert besonders zuverlässige, porenfreie Schweißnähte. Die hohe Festigkeit der Schweißnähte ist wichtig, wenn das Blut zur Trennung in seine Bestandteile zentrifugiert wird.

 

Darüber hinaus zeigen Langzeitstudien, dass der Weichmacher DEHP (Di-(2-ethylhexyl)-Phthalat) die roten Blutkörperchen während der Lagerung im Blutbeutel vor Abbau bewahrt und somit eine längere Haltbarkeit des Blutes garantiert.

 

Als Stabilisatorsysteme werden ausschließlich Kalzium-Zink-Verbindungen eingesetzt, als Weichmacher dient überwiegend DEHP in medizinischer Qualität. Blut kann wegen seines Fettgehaltes geringe Anteile des Weichmachers aus dem PVC herauslösen. Die Wirkung des Weichmachers auf den Menschen wurde daher intensiv untersucht. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass für eine Gesundheitsgefährdung keine Anzeichen existieren.

 

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