Werkstoffliche Verwertung

Zirka 60% des jährlich produzierten PVC wird zu Bauprodukten verarbeitet. Für diese PVC-Produkte, Fenster, Rohre, Bodenbeläge und Dachbahnen wurden Anfang der 90er Jahre Verwertungsanlagen errichtet und Sammelsysteme aufgebaut bzw. optimiert. Für einige Produkte sind diese Systeme bereits flächendeckend vorhanden. Die Recyclinganlagen basieren auf grundsätzlich gleichen verfahrenstechnischen Prozessen und setzen sich zum Beispiel aus Zerkleinerungstechnik einschließlich Kaltvermahlung sowie Förder- und Sortieraggregaten zusammen. Das zurückgewonnene PVC-Mahlgut wird zur Herstellung von neuen PVC-Fenstern, Bodenbelägen, Rohren und Dach- und Dichtungsbahnen wieder eingesetzt. Die praktische Erfahrung mit dem PVC-Recycling hat aber auch die derzeitigen ökonomischen Grenzen gezeigt.

 

Mehr als 2.500 alte Kunststofffenster der ehemaligen Wuppertaler GOH-Kaserne erhalten ein zweites Leben - Größtes PVC-Recyclingprojekt Deutschlands erfolgreich angelaufen, Aktionsbündnis sammelt bundesweit neben Altfenstern auch Bodenbeläge, Dachbahnen, Planen und Rohre aus Kunststoff, Energetische Modernisierung: Experten rechnen mit starker Zunahme der Recyclingmengen
Fernsehbericht center.tv (Köln) vom 18. Juni 2008


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Verpackungen

Im Verpackungssektor wird die PVC-Fraktion seit 1990 durch das Duale System Deutschland AG (DSD) erfasst und über den Garantiegeber DKR der Verwertung zugeführt. PVC-Verpackungen werden im Mengenstromnachweis des DSD nicht gesondert aufgeführt, sondern mit den anderen Verpackungen der Verwertung zugeführt.

 

Rohre

PVC-Rohre sind – wie andere Kunststoffrohre – gut zu recyceln. Kunststoffrohrverband (KRV) und Gütegemeinschaft Kunststoffrohre (GKR) haben – verbunden mit einer Rücknahmeverpflichtung – ein Sammel- und Wiederverwertungssystem für Rohrreste sowie ausgebaute Rohre und Formteile aus Kunststoffen aller Art konzipiert. Es ist seit Beginn des Jahres 1994 unter der Regie der GKR in Deutschland bundesweit eingeführt.

In Österreich und der Schweiz existieren ähnliche Sammelsysteme und Recyclinganlagen. Im Zusammenhang mit der Freiwilligen Selbstverpflichtung zum werkstofflichen Recycling ist es Zielsetzung der laufenden und künftigen Bemühungen, die gesammelten Mengen an recyclierfähigen PVC-Rohrmaterialien erheblich zu steigern.

 

Fenster

Seit Mitte 1991 existieren in Deutschland und Österreich Sammelsysteme zur Rücknahme und Wiederverwertung von Fensterprofilen. Die Rewindo GmbH, gegründet Ende Juni 2002, vereint die bisherigen Gesellschafter der Fenster-Recycling-Initiative (FREI) sowie das Unternehmen VEKA AG. Die 1993 ins Leben gerufene Verwertungsgesellschaft für Altfenster GbR (FREI) wurde aufgelöst. Der Rewindo GmbH obliegt die Kontrolle, Koordination und Dokumentation der Umsetzung der Freiwilligen Selbstverpflichtung der europäischen PVC-Branche im Bereich werkstoffliche Verwertung von PVC-Altfenstern und Produktionsabfällen aus der Herstellung von PVC-Fenstern bzw. Fensterprofilen sowie artverwandter Produkte.

Auch für den Bereich PVC-Fenster wurden im Rahmen der »Selbstverpflichtung zum nachhaltigen Wirtschaften« Recyclingziele festgeschrieben.

 

Bodenbeläge

PVC-Hersteller und führende Bodenbelaghersteller sammeln bereits seit 1990 über die Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelag-Recycling (AgPR) Bodenbeläge zur Verwertung. Die Erfassung der PVC-Altbeläge erfolgt im Auftrag der AgPR bundesweit durch Entsorgungsunternehmen und Logistikpartner.

Im Bereich des werkstofflichen Recyclings haben sich die Hersteller von PVC-Bodenbelägen verpflichtet, zunehmende Mengen von PVCBodenbelagsabfällen am Ende ihrer Nutzung werkstofflich zu verwerten.

 

Dachbahnen

Die Arbeitsgemeinschaft für PVC-Dachbahnen-Recycling (AfDR GmbH), ein Zusammenschluss von PVC-Dachbahnen-Herstellern, hat in Troisdorf eine Recyclinganlage für PVC-Dachbahnen errichtet, die im September 1994 in Betrieb genommen wurde. Im Bereich des werkstofflichen Recyclings haben sich in Europa die Hersteller von PVC-Dachbahnen verpflichtet, zunehmende Mengen von PVCDachbahnen- Abfällen am Ende ihrer Nutzung werkstofflich zu verwerten.

 

Kabel

Ein Großteil der heute anfallenden Kabelabfälle wird durch Kabelzerlegebetriebe aufbereitet. Deren Interesse galt bisher im Wesentlichen den Leitermetallen Kupfer und Aluminium. Die Recyclate, die hauptsächlich PVC, aber auch andere Materialien wie Polyethylen und Gummi sowie Restkupfer enthalten, sind Ausgangsstoffe für verschiedene Produkte (z. B. Bakenfüße für die Straßenverkehrssicherung).

Für die bisher nicht verwertete Restfraktion können rohstoffliche Verwertungsverfahren und auch Löseverfahren zum Einsatz kommen: Eine spezielle Eigenschaft des PVC ist die vollständige Löslichkeit in bestimmten Lösemitteln. Auf Basis dieses Wissens wurden in der Vergangenheit verschiedene Löseverfahren für Kunststoffabfälle entwickelt.

Auch die Forscher der Solvay S.A. haben sich die Löslichkeit von PVC zunutze gemacht und auf Basis dieser Eigenschaft ein neues Recyclingverfahren namens VINYLOOP® entwickelt.

SolVin, ein Tochterunternehmen von Solvay und BASF, und Partnern u.a. aus der Kabelverwertungsindustrie haben im Rahmen eines gemeinsamen Projektes im März 2001 den Bau einer Verwertungsanlage auf Basis der VINYLOOP®-Technologie in Ferrara, Italien, begonnen, und im Februar 2002 fertig gestellt. Insgesamt verfügt die Anlage über Aufbereitungskapazitäten von ca. 10 kt/Jahr.

 

Planen

Das französische Unternehmen Ferrari, das auf die Produktion von PVC-beschichteten Geweben (z. B. Planen, Zelte) spezialisiert ist, hat mit Solvay einen Vertrag geschlossen, um das VINYLOOP®- Verfahren für seine PVC-Produktpalette zu nutzen. Das dabei hergestellte Vinyloop-Pulver ist wieder für die Herstellung neuer Planen vorgesehen.

 

Scheckkarten und ähnliches

PVC-Karten werden weltweit vielfältig und in großer Stückzahl eingesetzt. Neben den Hauptanwendungen als Kreditkarte, Girokarte oder Identifikationskarte der Krankenkassen, werden Mitgliedsausweise für Bahnkunden, Videotheken oder Sportvereine, Kundenkarten für Kaufhausketten und Automobilclubs immer häufiger aus PVC hergestellt. Auf dem Werksgelände der Klöckner Pentaplast GmbH in Gendorf wird das Kartenmaterial durch den Subunternehmer MEPEX aufbereitet. Aus dem Mahlgut werden im österreichischen Spritzgießbetrieb der MEPEX z. B. Abstandshalter für die Bauindustrie und Keile zur Fixierung von Rollen gefertigt. Ein anderer Scheckkarten-Recycler, die BEKU in Beverungen, fertigt aus Scheckkartenabfällen, Kabelabdeckungen und Kabelschutzrohre.

 

Recycling-Produkte

Eine Reihe hochwertiger Recycling-Produkte sind heute bereits am Markt verfügbar. So haben sich neben PVC-Recycling-Fenstern, -Bodenbelägen, -Rohren, -Dachbahnen und Bakenfüßen, auch zahlreiche andere PVC-Recycling-Produkte am Markt etabliert. Laufend kommen neue PVC-Recyclingprodukte dazu, wie z. B. Verkehrsleitschwellen, Kabelschutzrohre, Kabelabdeckungen, Arbeitshandschuhe, Automatten, Stallzubehör, Pullover, deren Fasern aus gebrauchten PVC-Wasserflaschen gewonnen werden, oder ein Bodenbelag in Puzzleform, der äußerst schnell verlegt werden kann und in dem gebrauchte PVC-Kabel wiederverwertet werden.

 

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