Kunststoff-Fenster 2008 - Verbände stellen sich der Diskussion

04. April 2008



Nürnberg, 3. 4. 2008 - Der Werkstoff PVC hat die Stürme der vergangenen 20 Jahre gestärkt überstanden. PVC und das Kunststoff-Fenster sind nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit eine große Erfolgsgeschichte. Die wesentlichen Säulen des Erfolgs sind die bewährte RAL-Gütesicherung für Kunststoff-Fenster und Komponenten, technische Innovationen bei Werkstoff und Produkten und wachsende Recyclingmengen. Das betonten Vertreter von fünf Verbänden und Organisationen bei einem Pressegespräch auf der Fensterbau/Frontale 2008.

Zwischen 1998 und 2007 stieg die Nachfrage nach PVC in Deutschland um mehr als 40 Prozent. Bei Fensterprofilen wuchs die verarbeitete Menge von rund 400.000 auf fast 900.000 Tonnen pro Jahr. Dieser wirtschaftliche Erfolg hat mehrere Väter: zum einen das wachsende Interesse der  Kunden an einem qualitativ hochwertigen und zugleich ökonomischen Werkstoff, zum anderen die technische Weiterentwicklung der Produkte. „Der Werkstoff PVC liefert Produkte von hoher Qualität, großem Nutzwert und einem niedrigen Wartungsaufwand bei langer Lebensdauer“, resümierte Werner Preusker, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt (AgPU). Effiziente Energiesparhäuser wären ohne moderne PVC-Fenster mit hoher Wärmedämmung beispielsweise gar nicht möglich. Bei energetischen Sanierungen tragen Kunststoff-Fenster zu einem großen Teil zu den Emissionseinsparungen bei. Außerdem wurden die Rezepturen für den Werkstoff verbessert, neue Stabilisatoren und Weichmacher entwickelt. Nicht zuletzt gab es Fortschritte bei der Herstellung des PVC durch neue Elektrolyse-Anlagen und einen Kapazitätszuwachs durch innovative Verarbeitungsmaschinen.
Qualität ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Vor nahezu 30 Jahren schlossen sich Hersteller von Kunststoff-Fensterprofilen zur Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofile zusammen, um eine gleichbleibende Qualität dieses damals neuartigen Fensters zu sichern. Außerdem legten sie Produktstandards fest und stellten Fachbetrieben die notwendigen Informationen zu Verfügung. „Dies war aus heutiger Sicht eine weise Entscheidung, die eine erfolgreiche Markterschließung ermöglichte,“ betonte Gerald Feigenbutz, Hauptgeschäftsführer des Qualitätsverband Kunststofferzeugnisse e.V.. Der Anteil aus Kunststoffprofilen gefertigter Fenster liegt heute bei 55 Prozent.
Neben der reinen Gütesicherung aktualisiert die Gemeinschaft kontinuierlich Produktstandards und integriert Innovationen in das System. Damit hält sie Schritt mit der technischen Entwicklung und bietet dem Markt ein ausgereiftes Produkt. Allerdings erfordert ein gütegesichertes Endprodukt auch gütegesicherte Komponenten. Deshalb regeln die am Kunststoff-Fenster beteiligten Gütegemeinschaften Schlösser und Beschläge, Mehrscheibenisolierglas, Fugendichtungskomponenten und -systeme sowie Kunststoff-Fensterprofile die Vergabe der Gütezeichen entsprechend ihren Richtlinien. Sie übernehmen damit die Verantwortung für die am Endprodukt beteiligten Bauteile, Komponenten und Dienstleistungen.
Ein Beispiel für einen aktuellen technischen Trend sind geklebte Glas-Rahmen-Konstruktionen, die in den vergangenen Jahren verstärkt Einzug gehalten haben. Noch orientiert sich der Nachweis ihrer Gebrauchstauglichkeit an den Festlegungen für konventionell verglaste Kunststoff-Fenster. „Dabei werden jedoch nicht zwingend alle Aspekte von geklebten Konstruktionen abgeprüft,“ sagte Dr.-Ing. Michael Szerman, Obmann einer QKE-Arbeitsgruppe, die sich mit geklebten Konstruktionen beschäftigt. Es bestehe das Risiko, dass kritische Faktoren - wie z.B. die Langzeit-Verträglichkeit unterschiedlicher Materialien - übersehen werden und später zu Qualitätseinbußen führen. Daher hat die RAL Gütegemeinschaft Kunststoff-Fenstersysteme im Jahr 2006 mit der Ausarbeitung der Güte- und Prüfbestimmungen für die Verklebung von Verglasungen in PVC-Rahmenkonstruktionen begonnen. Die Initiative wird begleitet von Profilsystemhäusern sowie Herstellern von Kleb- und Dichtstoffen, die Erfahrungen mit geklebten Kunststoff-Fenstersystemen gesammelt haben. Der erste Entwurf der Bestimmungen wird anlässlich der Frontale 2008 den Fachkreisen zugänglich gemacht, um die formelle RAL Anerkennung einzuleiten.
Der wirtschaftliche Erfolg der PVC-Branche führt auch zu einer vorteilhaften Sozialbilanz: In den letzten 20 Jahren wurden neue Arbeitsplätze im Verarbeitungssektor geschaffen, insbesondere bei den Profilherstellern, die heute in Deutschland etwa 52 Prozent des PVC verwenden. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im einzigsten Ausbildungsberuf, dem Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik, stieg im Jahresvergleich 2006/2007 von 2215 auf 2781. Dies entspricht einer Steigerung von mehr als 25 Prozent. „Dies ist um so erfreulicher, als es in den vergangenen Jahren an qualifizierten Bewerbern mangelte und viele Ausbildungsplätze nicht besetzt wurden“, konstatierte Ralf Olsen, Geschäftsführer pro-K und im Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung..
Mit zu dieser Entwicklung beigetragen hat die Erweiterung des Ausbildungsberufs um zwei weitere Schwerpunkte, dem Faserverbund und dem Kunststofffensterbau. Damit wurden attraktive Bildungsperspektiven geschaffen und noch in diesem Frühjahr werden die ersten Verfahrensmechaniker mit Schwerpunkt Kunststofffensterbau ihre Ausbildung abschließen. Bei aller Freude über die positive Bilanz ist der drohende Fachkräftemangel aber noch nicht gebannt. Nach wie vor entscheiden sich zu wenige junge Menschen für eine Ausbildung in der kunststoffverarbeitenden Industrie. Die Branche kann es sich aber nicht leisten, dass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Die Ausbildungsförderung bleibt daher ein zentrales Anliegen des Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie.
Wichtiger Baustein der Erfolgsgeschichte des PVC-Fensters ist nicht zuletzt das Recycling. Bereits Mitte der 90er-Jahre begann die Branche mit der Verwertung von Produktionsabfällen und Post-Consumer-Produkten aus PVC. Im Jahr 2000 einigten sich Hersteller und Verarbeiter auf die freiwillige Selbstverpflichtung „Vinyl 2010“. Sie sieht unter anderem vor, dass bis zum Jahr 2010 europaweit rund 200.000 Tonnen Post-Consumer-Abfälle aus PVC verwertet werden. „Die recycelten Mengen bei den Altprofilen steigen von Jahr zu Jahr“, betonte Michael Vetter, Geschäftsführer der Rewindo GmbH. Insgesamt hat Rewindo mit seinen Partnern im vergangenen Jahr in Deutschland 20.740 Tonnen Input erfasst und 15.030 Tonnen reines PVC aus Altfenstern und Rollladen aufbereitet. Das ist eine Steigerung um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
2005 wurden die Ziele der europäischen Initiative überprüft und den veränderten Rahmenbedingungen, z.B. dem technischen Fortschritt und der EU-Osterweiterung, angepasst. Damit „Vinyl 2010“ innerhalb der verbleibenden drei Jahre die Ziele leichter erreicht, soll die Finanzierung des Recyclings mit Hilfe der Stiftung „Vinyl Foundation“ auf neue Beine gestellt werden. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Recycling-Initiative zu 70 Prozent von Rohstoffproduzenten und zu 30 Prozent von Verarbeitern finanziert wird. „Allerdings ist der Einzug der Verarbeiter-Beiträge auf nationaler Ebene bis heute nicht einheitlich“, sagte Ulrike Grawe, Geschäftsführerin des europäischen Verbandes der Hersteller von PVC-Fensterprofilen und verwandter Bauprodukte (EPPA). Vinyl Foundation fordert die Verarbeiter nun auf, einen kleinen Beitrag pro Tonne PVC zu leisten – für Hart-PVC 0,35 und für Weich-PVC 1,25 Euro. Die Stiftung will damit die Finanzierung durch die Verarbeiter systematisch und gerecht verwalten und sicherstellen, dass die Kosten der europäischen Recyclingaktivitäten fair auf die gesamte PVC-Wertschöpfungskette aufgeteilt werden.

 


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IHRE GESPRÄCHSPARTNER:


Werner Preusker

Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V.
Am Hofgarten 1 -2
53113 Bonn
Tel: 0228/91783-11
E-Mail: preusker@agpu.com
www.agpu.com

Die Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V. (AgPU) sammelt und liefert Informationen rund um den Werkstoff PVC. Sie hat heute über 60 Mitglieder – Verbände, Unternehmen, Wissenschaftler – und setzt sich für einen aktiven Dialog mit Politikern, Entscheidern der Wirtschaft und der Öffentlichkeit ein.
 

Gerald Feigenbutz
Qualitätsverband Kunststofferzeugnisse e.V.
Am Hofgarten 1 -2
53113  Bonn
Tel: 0228/76676-54
E-Mail: gerald.feigenbutz@qke-bonn.de
www.qke-donn.de

Der Qualitätsverband Kunststofferzeugnisse e.V. (QKE) ermöglicht seit über 40 Jahren die RAL-Gütesicherung einer Vielzahl unterschiedlicher Kunststoffprodukte. Er ist Instrument der anbietenden Wirtschaft, legt Qualitätsmaßstäbe fest und übernimmt die Überwachung der gütegesicherten Kunststoffprodukte.


Dr. Michael Szerman
RAL-Gütegemeinschaft Kunststoff-Fenstersysteme
Am Hofgarten 1 -2
53113  Bonn
Tel: 0228/76676-54
E-Mail: info@GKFP.de
michael.szerman@profine-group.com
www.gkfp.de

Die Gütegemeinschaft Kunststoff-Fenstersysteme (GKFP) agiert unter dem Dach des QKE. Sie ist zuständig für die Qualitätsüberwachung nach den anerkannten RAL-Prüf- und Überwachungskriterien, um eine hochwertige und gleichbleibende Produktqualität der Produkte zu gewährleisten.


Ralf Olsen
pro-K Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff e.V.
Am Hauptbahnhof 12
60329 Frankfurt//Main
Tel: 069/27105-30
E-Mail: ralf.olsen@pro-kunststoff.de
www.pro-kunststoff.de

Der Pro-K Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff e.V. ist 2006 aus der Fusion zweier GKV-Fachverbände entstanden. Pro-K ist Trägerverband des GKV und  gliedert sich in markt-, produkt- und themenorientierte Fachgruppen, in denen sich Unternehmen der kunststoffverarbeitenden Industrie engagieren.

Michael Vetter
Rewindo GmbH
Am Hofgarten 1-2
53113 Bonn
Tel: 0228/921283-0
E-Mail: michael.vetter@rewindo.de
www.rewindo.de

In der Rewindo GmbH haben sich deutsche Kunststoffprofilhersteller zu einer gemeinsamen Initiative zusammengeschlossen. Sie wollen die Recyclingquote von ausgebauten Fenstern, Türen und Rollladen aus Kunststoff erhöhen und damit einen Beitrag für Kreislaufwirtschaft leisten.


Ulrike Grawe
European PVC Window Profile and Related Building Products Association (EPPA),
Avenue de Cortenbergh, 66
B-1000 Brussels/Belgium
Tel: +32/(0)2/7396384
E-Mail: ulrike.grawe@eppa-profiles.org
www.eppa-profiles.org

Vinyl Foundation c/o European Plastic Converters (EuPC)
www.plasticsconverters.eu
www.vinylfoundation.org

Die Vinyl Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz beim EuPC in Brüssel. Sie versteht sich als Organisation, die von europäischen Kunststoffverarbeitern ins Leben gerufen wurde und von ihnen verwaltet wird. Ihr Ziel ist es, eine Mit-Finanzierung des PVC-Recyclings in Europa durch die PVC-Verarbeiter sicherzustellen.

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