Prowindo: Herausforderungen und Chancen der Kunststofffensterbranche

Wie in den Vorjahren war das Kunststofffenster auch 2011 wieder spitze. Mit über 7 Millionen verkauften Fenstereinheiten behauptete es seine Marktführerschaft im deutschen Fenstermarkt mit 57 Prozent. Doch um diese Erfolgsgeschichte weiter ausbauen zu können, gilt es für die Branche künftig einige Hürden zu nehmen. Darin waren sich die Vertreter des Prowindo-Branchenforums Kunststofffenster am 22. März 2012 auf der von Winfried Tänzer, profine GmbH, moderierten Pressekonferenz auf der festernbau/frontale in Nürnberg einig. Vor allem die Themen Recycling, Qualitätssicherung sowie die Notwendigkeit einer europaweiten, umfassenden Gebäudesanierung und der drohende Fachkräftemangel warten ihrer Einschätzung nach mit neuen Herausforderungen aber gleichzeitig auch neuen Chancen auf.

"Der gesamte deutsche Fenstermarkt befand sich 2011 wieder im Aufwind. Insgesamt wurden über 3 Prozent mehr Fenstereinheiten verkauft als im Vorjahr. Das Kunststofffenster liegt dabei voll im Trend. Seine Absatzzahlen sind ebenfalls um 3 Prozent angestiegen. Besonders im Bereich der energetischen Sanierung sind Kunststofffensterprofile das Rahmenmaterial Nummer eins", erörterte Ralf Olsen, Geschäftsführer des pro-K Industrieverbandes Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff e.V., die Marktentwicklung 2011. Für 2012 erwartet das Experten-Team von Prowindo einen weiteren Absatzzuwachs bei Kunststofffenstern. Vor allem in der energetischen Sanierung von Gebäuden sieht Prowindo einen vielversprechenden Absatzmarkt der Zukunft – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Politische Rahmenbedingungen als mögliche Chance für das Kunststofffenster

"In der EU-Gebäuderichtlinie von 2010 ist vorgesehen, dass bis zum Jahr 2050 sämtliche Gebäude in Europa "klimaneutral" sein sollen. Das heißt, dass ihr Energieverbrauch auf den eines heutigen Passivhauses gesenkt werden muss. Der Schlüssel zum Erreichen des Ziels liegt dabei in der energetischen Gebäudesanierung", beschrieb Stephan Coester, Director Marketing der Deceuninck N.V., für die Arbeitsgemeinschaft PVC und UMWELT e.V. (AGPU) und die Profilhersteller, die aktuellen politischen Rahmenbedingungen für die Baubranche. "Vor allem für das Kunststofffenster mit seinen herausragenden Dämmeigenschaften ist dies eine besondere Chance", so Coester. Diese könne jedoch nur ergriffen werden, wenn sich ein Umdenken in der Politik vollziehe.

Ökologisch und volkswirtschaftlich sinnvoll: Förderungen von Sanierungsmaßnahmen

Laut einer vom World Wide Fund for Nature (WWF) in Auftrag gegebenen Studie von 2009, bedarf es 18 Milliarden Euro zusätzlicher Investitionen jährlich, um das Ziel der Gebäuderichtlinie zu erreichen – und das allein in Deutschland. Da neben öffentlichen Gebäuden vor allem Wohnungsbauten die größten "Energieverbraucher" sind, müssten demnach vor allem private Immobilienbesitzer diese immense Summe stemmen. Ohne staatliche Förderung ist dies in den Augen der Experten undenkbar. Doch hier sieht Prowindo den Knackpunkt. „Die Bedeutung der energetischen Gebäudesanierung droht in der Politik ins Hintertreffen zu geraten. Dabei ist die Sanierung von Gebäuden ein Kernelement der Energiepolitik. 40 Prozent des heutigen Energiebedarfs in Deutschland geht von Immobilien aus und muss zwingend gesenkt werden. Doch die Kosten, die privaten Immobilienbesitzern durch die Sanierung entstehen, sind kaum zu bewältigen. Es verwundert somit nicht, dass sich die Sanierungslust derzeit in Grenzen hält. Dabei würde sich ein verstärktes Engagement der Regierung nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht auszahlen. Schließlich wären eine geringere Abhängigkeit von Energieimporten aus unsicheren Quellen und die Stärkung der Bauwirtschaft im Inland die Folge umfassender Sanierungsmaßnahmen“, betonte Coester. Prowindo fordere daher, beispielsweise Fördermittel deutlich zu erhöhen und weiterführende steuerliche Erleichterungen zu schaffen, um den Sanierungswillen zu steigern.
Prowindo beschränkt sich mit seinen Forderungen jedoch nicht allein auf Deutschland. Vielmehr sehen es die Mitglieder als unabdingbar an, dass die Förderung der energetischen Gebäudesanierung in ganz Europa erhöht wird, um das gesteckte Ziel bis 2050 tatsächlich zu erreichen.
"Ebenso wie Sanierungsmaßnahmen für das Kunststofffenster viele Potenziale bergen, ist der Neubau-Sektor ein Zukunftsfeld in Deutschland und ganz Europa", ergänzte Ralf Olsen. Es gelte deswegen, den Neubau wieder stärker anzukurbeln. "Schon heute herrscht in einigen Ballungsgebieten Deutschlands und Europas Wohnungsnot. Der Trend zur Urbanisierung und dem Ein- bzw. Zwei-Personenhaushalt wird diese Situation weiter verschärfen. Auch hier müssen die Regierungen neue Anreize schaffen."

Recycling mit Rewindo – 10 Jahre gelebte Produktverantwortung

Auch beim Thema Recycling setzen die Prowindo-Partner auf eine europaweite Lösung. "Die Rewindo-Fenster-Recycling-Service GmbH steht für zehn Jahre erfolgreiches Kunststofffensterrecycling in Deutschland", resümierte Michael Vetter, Geschäftsführer der Rewindo GmbH. "Registrierten wir 2002 gerade einmal knapp 4.000 Tonnen recycelte Kunststofffensterprofile und Rollladen, konnte Rewindo im vergangenen Jahr 27.000 Tonnen an Altmaterial verbuchen. Aus diesen konnten durch Aufbereitung 19.000 Tonnen recyceltes Material gewonnen werden. Das Rewindo-System ist somit gelebte Produktverantwortung der deutschen Kunststofffensterbranche, auf die wir stolz sein können."


Das Erfolgssystem zur Erfassung des Kunststofffensterrecyclings, das in Deutschland bereits überzeugt, soll nun auch in anderen europäischen Ländern forciert werden. Die beiden Prowindo- Partner EPPA (European PVC Window Profile and related building products Association) und Rewindo arbeiten derzeit intensiv daran, eine Branchenlösung für das Recycling von Kunststoff- fenstern im Sinne von Vinyl2010 und seinem Folgeprogramm VinylPlus in ganz Europa zu etablie- ren.

Aus EPPA wird EPPA INPA

"Dass eine Bereitschaft zum erfolgreichen Recycling von Kunststofffenstern innerhalb Europas vorhanden ist, belegt der erneut erfolgreiche Abschluss der freiwilligen Selbstverpflichtung in 2011“, erklärte Gerald Feigenbutz, Hauptgeschäftsführer des Qualitätsverbandes Kunststoffer- zeugnisse e.V. (QKE) im Namen von EPPA. "EPPA ist stolz, dass die Branche bereits seit mehre- ren Jahren die Vorgaben der freiwilligen Selbstverpflichtung erfüllt. Dies bestätigt EPPA in seiner Arbeit im Bereich des Kunststofffensterrecyclings und hat EPPA dazu bewogen, sein Aufgabenge- biet um andere branchenrelevante Themen – neben dem Recycling und VinylPlus – zu erweitern." Vor dem Hintergrund dieser Zielsetzung hatte sich der Verband im Februar dieses Jahres struktu- rell neu geordnet, wie Gerald Feigenbutz bekannt gab. "Seit Februar 2012 ist EPPA nicht länger eine unselbstständige Sektor Gruppe des Dachverbandes European Plastic Converters (EuPC), sondern ein eigenständiger Wirtschaftsverband, der von Systemhäusern und nationalen Verbänden aus Europa getragen wird." Diese strukturelle Änderung schlägt sich auch im Namen des Verbandes nieder: Aus EPPA wird nun EPPA INPA.

Qualitätssicherung als Erfolgsgarant

Bei der Fortschreibung der Erfolgsgeschichte des Kunststofffensters spielt das Thema Qualitätssicherung und Güte für das Prowindo-Branchenforum ebenfalls eine große Rolle. „Mit der RAL-Güte für Kunststofffensterprofilsysteme setzen wir Maßstäbe und schlagen bei der Qualitätsprüfung neue Wege ein“, verkündete Gerald Feigenbutz (QKE) „Der Endkunde triff bei jedem Kauf eine Wahl und jede Wahl ist auch eine Entscheidung für die Qualität. Daher gilt für uns, obwohl das Fensterprofil an sich im B2B-Markt angesiedelt ist, dass das Gütezeichen, das es trägt, auch auf die Belange der Verbraucher abgestimmt sein muss.“ Aus diesem Grund hat sich die RAL- Gütegemeinschaft entschieden, die Anforderungen, die der Verbraucher stellt, in ihre Güte- und Prüfbestimmungen einzubeziehen. „Das RAL-Gütezeichen erhalten ausschließlich Kunststoff- Fensterprofilsysteme, die neben der Gebrauchstauglichkeit auch hinsichtlich Montage, Baukörperanschluss sowie Energie- und Ressourceneffizienz überzeugen. Damit rücken die Gütegemein- schaften Kunststofffensterprofilsysteme sowie Fenster und Haustüren noch enger zusammen. Diese erste Weichenstellung werden wir in eine Kooperationsvereinbarung überführen, die den Verarbeitern und Verbrauchern noch mehr Transparenz und Sicherheit bei der Produktwahl bietet.“

SKZ - 50 Jahre Innovationen und Qualitätssicherung

Ob Kunststofffensterprofilsysteme die Vorgaben des RAL-Gütezeichens erfüllen oder nicht, überprüft das SKZ – Das Kunststoff-Zentrum. Dadurch leistet es als eines der größten akkreditierten Prüflaboratorien für Kunststoffe in Europa seit vielen Jahren einen entscheidenden Beitrag dazu, dass die Hersteller von Kunststofffenstersystemen ihren hohen Qualitätsstandard halten und an neue Anforderungen anpassen. 2011 feierte das SKZ sein 50-jähriges Jubiläum. „Wir verstehen uns als Partner der Branche für Qualitätssicherung und Innovationen. Einer unserer Schwerpunkte sind dabei Kunststofffensterprofilsysteme. Derzeit überwachen wir 45 Profil-Hersteller und acht Fensterprofildichtungshersteller in 12 europäischen Ländern sowie im Mittleren Osten. Damit decken wir ca. 115 Systeme ab“, erläuterte Dr.-Ing. Gerald Aengenheyster, Geschäftsführer Produktqualität des SKZ.
Auch im Bereich Nachhaltigkeit ist das SKZ Partner der Kunststofffensterbranche. So wird 2012 gemeinsam mit QKE und EPPA eine erweiterte Version der Environmental Product Declaration für Kunststofffensterprofile veröffentlicht.
„Neben der Qualitätssicherung widmen wir uns verstärkt der technischen Entwicklung. Derzeit forschen wir am Infrarotschweißen von Kunststofffensterprofilen, bei dem die Zykluszeit um ca. 30-50 Prozent kürzer ist als beim Standard-Heizelementstumpfschweißen. Und in Kürze beginnen wir, anhand eines öffentlichen Projekts zu ermitteln, ob dieses neue Verfahren auf die Branche anwendbar ist“, fuhr Dr. Aengenheyster fort. Damit ist das SKZ das erste Institut, das die Tauglichkeit dieses Verfahrens für die Kunststofffensterbranche weltweit erforscht. Erste Ergebnisse werden auf der Fachtagung des Prowindo Branchenforums im September in Würzburg präsentiert.

Keine Zukunft ohne Fachkräfte

„All unsere Bestrebungen, die Erfolgsgeschichte des Kunststofffensters auszubauen, können jedoch schon bald jäh ausgebremst werden, wenn die Branche jetzt nicht handelt.“, schloss Ralf Olsen mit Blick auf den demographischen Wandel in Deutschland. „2020 werden der deutschen Wirtschaft insgesamt 2 Millionen qualifizierte Fachkräfte fehlen. Auch die Kunststoffprofil- und fensterhersteller werden das massiv zu spüren bekommen. Tausende von Fachkräften werden künftig fehlen. Die Branche muss daher jetzt reagieren, um sich als attraktiver Arbeitgeber gegenüber anderen Branchen durchzusetzen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe den Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik in den Köpfen der jungen Frauen und Männern als einen interessanten Beruf mit Perspektive zu verankern. Nur so können wir die drohende Fachkräftelücke minimieren“, appellierte Olsen. In einem ersten Schritt hatte pro-K in den vergangenen zwei Jahren die Neuordnung der Ausbildung zum Verfahrensmechaniker vorangetrieben, die nun im Frühjahr 2012 abgeschlossen wird. Derzeit schnürt der Verband ein Marketingpaket, das bei Inkrafttreten der neugeordneten Ausbildung ein Schlaglicht auf die herausragenden Berufsaussichten des Verfahrensmechanikers werfen wird.

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