PVC-Bodenbeläge sind sicher und empfehlenswert

Erste Stellungnahme zu den ÖKO-TEST-Ergebnissen über elastische PVC-Beläge

In der Ausgabe Januar 2012 berichtet die Redaktion von ÖKO-TEST über  insgesamt 13 PVC-Bodenbeläge, die sie in Baumärkten, beim Fachhändler und bei einem Internethändler gekauft hat. Alle Produkte wurden unter anderem auf Inhaltsstoffe wie Weichmacher und Schwermetalle hin überprüft und abschließend mit der Note „ungenügend“ bewertet. Das Fazit der Tester: Sie raten von einer Verwendung von PVC-Bodenbelägen ab – trotz der unserer Meinung nach guten Testergebnisse.

Deshalb wollen wir als Experten aus der PVC-Branche auf Folgendes hinweisen:
Alle dreizehn im Labor getesteten PVC-Bodenbeläge namhafter Hersteller sind laut ÖKO-TEST frei von giftigen Schwermetallen wie Blei und Cadmium; eine – auch nach ÖKO-TEST – anerkannte Verbesserung im Vergleich zur  Untersuchung der Zeitschrift aus dem Jahr 2008.

Von den Testern kritisiert wurden „stark erhöhte“ Mengen an Weichmachern DINP, DIHP und DIBP. Die Verwendung dieser Weichmacher ist gesetzlich zugelassen. DINP und DIDP sind in den offiziellen Risikobewertungen der EU (unter Einschluss der Chemikalienexperten aus Deutschland und den anderen Mitgliedsländern) als unbedenklich für Mensch und Umwelt bewertet worden. Für die negative Einschätzung von DINP und DIDP hat ÖKO-TEST die gesetzliche Regelung  herangezogen, wonach  beide Einsatzstoffe in Beißringen, Babyartikeln und Kinderspielzeug, welche in den Munden genommen werden können, in Konzentrationen höher als 0,1 Prozent verboten sind. Da Böden nicht in den Mund genommen werden und ein einfacher Hautkontakt weniger intensiv ist als Lutschen oder Kauen, sind Böden von dieser Regelung ausdrücklich nicht betroffen. Die Abwertung ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar.

Der Verweis auf nicht genannte neuere toxikologische Studien, die „darauf hindeuten, dass DINP eventuell neu bewertet werden muss“ und Bestrebungen des Umweltbundesamtes (UBA) hinsichtlich einer Neubewertung einiger Weichmacher ist reichlich unbestimmt und widerspricht der gesetzlich geregelten Bewertung von Chemikalien.  Richtig ist, dass DINP auf EU-Ebene weder als gefährlich für die menschliche Gesundheit noch für die Umwelt eingestuft ist. Diese Auffassung vertritt auch die europäische Chemikalienbehörde ECHA. In ihrem Review Report sehen die Experten aufgrund der neuen, vorhandenen Informationen zu DINP keinen Anlass zur Neubewertung: 

"ECHA considers that the available new information with regard to hazards and uses of and exposure to DINP does not bring a new perspective to the assessments which were carried out in the past and used as a basis for the current restrictions on DINP.

Even though further in-depth assessment of the currently available information, and potentially further new information, would be needed to draw firm conclusions on the exact level of risks from certain uses of DINP, this information does not indicate the need for an urgent re-examination of the existing restriction on DINP."

Sofern den Behörden neue Erkenntnisse vorliegen, können Neueinstufungen der ECHA nach Vorlage entsprechender wissenschaftlicher Dossiers vorgeschlagen werden. Dies ist für eine Reihe von Stoffen auch erfolgt, nicht aber für DINP oder DIDP. In diesem Zusammenhang ist auch eine Äußerung der EU-Kommission vom 15. April 2009 zu erwähnen auf einen Vorstoß des UBA, Weich-PVC durch weichmacherfreie Kunststoffe oder andere Materialien zu ersetzen: 

„Die Kommission ist nach wie vor der Auffassung, dass die Ergebnisse der gemeinschaftlichen Risikobewertungen dank der umfassenden Überprüfung durch unabhängige Sachverständige (peer review), die bei ihrer Erarbeitung vorgenommen wurde, die exaktesten sind und auch die breiteste Akzeptanz finden. Die Kommission unterstützt die UBA‑Empfehlung nicht, da sie nicht im Einklang mit den vereinbarten Strategien zur Risikominderung steht, die gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 793/93 erarbeitet wurden. Im Übrigen wurde in einer von der Kommission in Auftrag gegebenen Studie über den Lebenszyklus von PVC der Schluss gezogen, dass PVC‑Produkte bei einem Vergleich sämtlicher Umweltauswirkungen während ihres Lebenszyklus nicht unbedingt schlechter abschneiden als aus anderen Materialien hergestellte Produkte“.

Heute werden jedenfalls in Europa und Deutschland als Weichmacher in PVC-Produkten fast ausschließlich hochmolekulare Phthalate sowie andere Weichmacher verwendet. Dank jahrelanger Forschung und verbesserter Rezepturen hat die Industrie in Europa Weich-PVC in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Studien und die amtlichen Risikobewertungen durch die dafür bestellten Sachverständigen aus allen EU-Ländern belegen, dass die heute eingesetzten Weichmacher sicher und ohne Bedenken verwendet werden können.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die getesteten PVC-Bodenbeläge aus unserer Sicht sicher und empfehlenswert sind. Die AGPU freut sich über die Feststellung von ÖKO-TEST, dass PVC-Böden recycelt werden können und die Empfehlung der AGPU für weitergehende Informationen.


Für Rückfragen
AGPU (Arbeitsgemeinschaft PVC und UMWELT e.V.)
Werner Preusker
Geschäftsführer
Tel.: +49 (0)228 / 917 83 - 0
E-Mail: preusker(at)agpu.com  
Webseite: http://www.agpu.com